SPD

Norbert Theobald im Gespräch mit dem Landesseniorenrat

Altenhilfe weiterdenken
Als Mitglied im Landesvorstand der SPD AG 60plus erlebe ich, dass sich die Alterspolitik zunehmend von einer reinen Pflegepolitik zu einer umfassenden Politik des guten Alterns entwickeln muss. Pflege bleibt dabei ein wichtiger Bestandteil. Sie kann aber nicht die gesamte Altenhilfe abbilden.
Das Landespflegestrukturgesetz hat in Baden-Württemberg wichtige Strukturen geschaffen. Es beantwortet jedoch nicht die umfassende Frage, welche Infrastruktur ältere Menschen unabhängig von Pflegebedürftigkeit benötigen und wie diese überall im Land verlässlich gewährleistet werden kann.
Deshalb habe ich angeregt, über ein Altenhilfestrukturgesetz Baden-Württemberg zu diskutieren.
Ein solches Gesetz sollte aus meiner Sicht insbesondere fünf Punkte verbinden:

  • Altenhilfe als Teil kommunaler Daseinsvorsorge,
  • eine verbindliche kommunale Altenhilfeplanung,
  • eine verbindliche Beteiligung der Seniorenräte,
  • landesweite Mindeststandards für Beratung, Teilhabe, Wohnen, Mobilität, Digitalisierung, Prävention und Quartiersarbeit,
  • sowie eine dauerhafte Mitfinanzierung durch das Land.

Wer Aufgaben bestellt, muss auch finanzieren
Besonders wichtig ist die Finanzierungsfrage. Neue oder konkretisierte Aufgaben dürfen nicht einfach bei den Kommunen abgeladen werden.

Deshalb halte ich ein vom Land finanziertes Sozialraumbudget für Altenhilfe für einen wichtigen Bestandteil einer künftigen Struktur. Interessant ist, dass auch der Landkreistag Baden-Württemberg ein vom Land finanziertes, einwohnerbezogenes Sozialraumbudget für altersgerechte Quartiersstrukturen fordert. Hier könnte eine gemeinsame Interessenlage entstehen: Seniorenvertretungen, Kommunen und Sozialverbände haben ein gemeinsames Interesse daran, dass gute Altenhilfe nicht von der jeweiligen Haushaltslage einer Kommune abhängt.

Vom guten Beispiel zur verlässlichen Struktur
Ich habe dem Vorstand des Landesseniorenrats ausdrücklich keinen fertigen Gesetzentwurf vorgeschlagen. Vielmehr geht es zunächst um einen gemeinsamen politischen Prozess unter dem Titel:
„Gutes Leben im Alter in Baden-Württemberg“
Der Landesseniorenrat könnte gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen Eckpunkte für ein Altenhilfestrukturgesetz entwickeln. Dabei sollten kommunale Spitzenverbände, Sozialverbände, Wissenschaft und selbstverständlich die Seniorenräte einbezogen werden.
Anschließend könnte gemeinsam das Gespräch mit der Landespolitik gesucht werden.

Seniorenmitwirkung und Altenhilfestruktur gehören zusammen
Für mich stehen ein Seniorenmitwirkungsgesetz und ein Altenhilfestrukturgesetz nicht in Konkurrenz zueinander. Das eine gibt älteren Menschen eine Stimme. Das andere sorgt dafür, dass die Strukturen vorhanden sind, über die diese Stimme mitentscheiden kann.
Deshalb sollten wir beides zusammendenken: Ältere Menschen brauchen nicht nur Beteiligungsrechte. Sie brauchen auch die Infrastruktur, die ein selbstbestimmtes Leben im Alter ermöglicht.
Baden-Württemberg könnte bei einer modernen Altenhilfestruktur bundesweit eine Vorreiterrolle übernehmen. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass wir den Schritt von einzelnen Projekten und freiwilligen Leistungen hin zu einer verlässlichen, finanziell abgesicherten Struktur gehen.

Die Leitidee dafür ist einfach:
Gutes Leben im Alter darf nicht vom Wohnort abhängen.

Hans-Georg Kerler, Vom Blitzschlag zur Rehabilitation

......... Eine Ärztin der Reha-Klinik wusste auch nur eine ironisch-statistische Antwort: weil ich ein Mann und alt sei (76 Jahre). Da ich kein Raucher und beim Alkohol zurückhaltend gewesen sei, hätte die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls nur bei einem Prozent gelegen, bei Rauchern und Alkoholfreunden wären es fünf bis sechs Prozent. Leider gehörte ich nicht zu den 99 Prozent Nicht-Betroffenen. Glück im Unglück: ich bin Rechtshänder - die Lähmung ist linksseitig.

Aufruf zum Internationalen Tag der älteren Menschen

Zum internationalen Tag der älteren Menschen erklärt der Bundesvorsitzende der
SPD AG 60 plus Lothar Binding:

„Vereinsamung, Ausgrenzung, „Weggesperrt“ – die COVID19-Krise ist für uns alle mit harten Einschnitten verbunden, besonders hat es aber ältere Menschen getroffen, die als Hoch-Risikogruppe besonders gefährdet sind und teilweise wochenlang keinen Besuch von Freunden und Verwandten empfangen konnten.

Hier müssen wir sensibilisieren für die Probleme und die Lebenslage älterer Menschen. Gerade Alleinstehende mussten große Veränderungen in ihrem täglichen Leben erfahren. Unser Dank gilt den ganzen Nachbarschaftsinitiativen und Freiwilligen, die ihren Nachbarn in dieser Situation unterstützt haben. Dies ist leider nicht selbstverständlich. Wir müssen wieder zu einem neuen Miteinander kommen, ältere Menschen sind mehr als alt und hilfsbedürftig. Sie können Ratgeber*innen und Ideengeber*innen sein, ihre Erfahrung und ihr Engagement sind unverzichtbar für unsere Gesellschaft.“

Kevin Kühnert beim Jahresempfang 2020

Der diesjährige Jahresempfang der SPD 60 plus fand am 30. September im Kleinen Kursaal Bad Cannstatt statt. Gastredner war diesmal der stellvertretenden SPD-Vorsitzende und amtierende Juso-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert. Der Titel seiner Rede lautete "Zeitalter des Gemeinwohls - Unsere Gesellschaft nach Corona". 

Kühnert führte aus, wie das Zeitalter des Gemeinwohls durch solidarische Vorsorge ermöglicht werden kann. Dazu bekräftigte er, dass Alt und Jung sich nicht in Gegensatz bringen lassen dürfen, sondern Vorsorge für das Gemeinwohl nur durch eine Erneuerung und Bestärkung des Generationenvertrages, auch in Bezug auf zukünftige Altersvorsorgung, gelingen könne. Der Riss in der Gesellschaft ist demnach nicht zwischen Alt und Jung, sondern zwischen solidarisch und unsolidarisch.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer im vollbesetzten Kursaal (aufgrund der Corona-Verordnung war die Teilnehmer*innenzahl diesmal auf 120 Personen begrenzt, die auf Abstand achteten) bedankten sich mit Standing Ovations für den mitreißenden Vortrag.

(Fotos: Mall)

Willy-Brandt-Medaille an Peter Steinhilber verliehen

Am 30.6.2018 hat die Landesvorsitzende Leni Breymaier hier mit Ute Vogt, die Willy Brandt Medaille an Peter Steinhilber verliehen. Dazu gratulieren wir ganz herzlich!

Peter Steinhilber war lange Jahre hauptamtlich beim SPD-landesverband beschäftigt. Seit seinem Eintritt in den Ruhestand engagiert er sich ehrenamtlich als stellvertretender 60 plus-Landesvorsitzender sowie als Kreisvorsitzender der 60 plus Stuttgart. Dort hat er es gschafft, in 10 Jahren 120 monatlichen Veranstaltungen zu veranstalten. In seiner Ansprache betonte er, dass dies nicht möglich gewesen wäre ohne alle die Referenten, die Gesprächspartner, die Aufklärer und die Anstifter, die mitgeholfen haben jeweils ein aktuelles Thema zu bearbeiten. Ebenso gebühre denjenigen Dank, die gekommen sind, mitdiskutiert und ihr Interesse gezeigt haben. Er ermunterte alle, sich weiter an der eigenen Meinungsbildung zu beteiligen. Das sei der erste Schritt zu einer SPD Erneuerung.