SPD 60 plus Ba-Wü

 

60 plus Freiburg: Entdeckungsreise im „Roten Wien“

Veröffentlicht in Aus dem Parteileben

Zwei lange Tage im Bus von und nach Wien und dort ein volles, anstrengendes Programm haben sich rückblickend für die 32 Seniorinnen und Senioren der Freiburger SPD und einige Gäste voll gelohnt. Nicht nur wegen des traumhaften Herbstwetters und der so zahlreichen Attraktionen Wiens, sondern vor allem auch wegen der Fülle an Mut machenden Informationen über das sehr erfolgreiche Sozialwesen der Donaumetropole.
Dank der Kontakte des für die Reise verantwortlichen Alt-Sozialbürgermeisters Hansjörg See erwartete die Reisegruppe daher nicht nur ein sorgfältig zusammengestelltes touristisches Programm, sondern vor allem auch hochkarätige Partner und Informanten von den Akteuren der Wiener Sozialpolitik. So gab die Vizepräsidentin des Wiener Landtags, der sich mit dem Gemeindeparlament das Rathaus teilt, beim Besuch im Rathaus der Freiburger Reisegruppe eine beeindruckende Übersicht über das Wiener Sozialwesen. Ausführlich vorgestellt wurde auch die Arbeit der „Volkshilfe Wien“, als großer Sozialverband zu vergleichen mit der Arbeiterwohlfahrt bei uns.

Sehr eindrucksvoll war für die Freiburger weiterhin die Vorstellung des der SPÖ nahestehenden „Pensionistenverbands“. Dieser bietet den Seniorinnen und Senioren in ganz Österreich ein breites, vielfältiges Programm von Reise-, Kultur- und Freizeitangeboten bis hin zur Beratung in allen Lebenslagen sowie Treffpunkten in 1800 Orten Österreichs und natürlich auch allen Bezirken und Quartieren Wiens. Allein schon angesichts der sehr hohen Mitgliederzahlen (fast 400 000 bei einer Bevölkerung von nur einem Zehntel der Deutschlands) und Zahl hauptamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kann man diesen einflussreichen Verband kaum mit unserer AG 60plus der SPD vergleichen.
Auf besonderes Interesse stießen ebenfalls die Darstellungen zum „Fonds soziales Wien“ und dem sogenannten „Dachverband“, werden doch über diese Institutionen Finanzierung, Planung und Qualitätssicherung der über 170 im Bereich Wohnen und Soziales in Wien tätigen Projektpartner gesteuert.
Vor dem Hintergrund aktueller Freiburger Diskussionen staunten die Freiburgerinnen und Freiburger über Einzelinformationen wie die, dass 85% der Wiener Wohnungen öffentlich gefördert sind, mit unbefristeten Mietgrenzen bzw. Belegungsrechten und nicht nur für 10 Jahre wie bei uns. Diese Gemeindewohnungen – wie sie heißen – finden sich in allen Bezirken / Quartieren Wiens, auch in sogenannten gutbürgerlichen. Beispielhaft konnte die fortdauernde soziale Durchmischung im Quartier „Karl-Marx-Hof“ beobachtet werden.
Wien wächst weiter, vor allem durch Zuwanderung. Das bedeutet auf absehbare Zeit, dass jährlich 10 000 Wohnungen gebaut werden müssen. Entsprechend gibt es ein engagiertes Programm für Zuwanderer, unabhängig von deren Status. Ergänzt wird dies vom Bemühen, eine Ghettobildung möglichst zu verhindern.
Für die Wiener Gastgeber war die Gruppe aus Freiburg ein sehr geschätzter Gesprächpartner, um so mehr als sich herausstellte, dass viele der Mitreisenden sich aus teils jahrzehntelanger eigener Erfahrung mit den Problemen der Sozialpolitik, Wohnungspolitik, Seniorenpolitik – eigentlich mit dem ganzen Feld der Kommunalpolitik – gut auskennen. Neben allen Einzelinformationen waren die Besucher vor allem beeindruckt vom Selbstbewusstsein und dem Stolz der Gastgeber auf die eigene erfolgreiche Sozialpolitik, einschließlich der von einem breiten Konsens getragenen stabilen Finanzierung. Schamhaftes Verharmlosen, schlechtes Gewissen ob der Kosten und ständiger Zwang zum Rechtfertigen, wie bei uns, scheint den Wiener Genossinnen und Genossen fremd zu sein.
Neben einer grundsätzlich positiven Einstellung zur Sozialpolitik und den Erfahrungen von fast 100 Jahren sozialdemokratischer Stadtpolitik spielt dabei wohl auch eine Rolle, dass Wien Kommune und Bundesland zugleich ist, sehr oft in Personalunion. Dies ermöglicht ein System der kurzen Wege und erleichtert Kooperationen und Vernetzung.
Stadtführungen, Ausflüge in den Wienerwald, nach Schönbrunn, nach Grinzing und andere touristische Aktivitäten ergänzten das sozialpolitische Programm; das hatte sich die Reisegruppe aus Freiburg auch wirklich verdient! Zurück in Freiburg soll jetzt die Fülle der Informationen gesichtet und mit den Bedingungen hier verglichen werden, um dann schließlich mit einigen konkreten Anregungen an den SPD-Kreisverband und die Gemeinderatsfraktion heranzutreten. Auf alle Beteiligte warten spannende Gespräche!